Braun G. Buchverlag
März 2009 - 287 Seiten
Was soll man als Krimileser von diesem Vampirschocker halten?
Ich wäre wohl besser beraten gewesen, das Buch gleich in Richtung Phantastikliteratur abzuschieben, dann hätte ich mir und der Autorin diese Zeilen ersparen können.
Sei’s drum. Ich habe versucht, damit zurechtzukommen, und es fiel mir schwer. Sehr schwer.
In Karlsruhe treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Er betäubt Frauen, um ihnen hernach das Blut abzuzapfen. Der Mann fühlt sich den Vampiren ähnlich, seit er in Kindertagen seinen Arm in ein Loch in den Boden des Karlsruher Mausoleums steckte und ihn mit einer Bisswunde wieder herauszog. Vampire sind Geschöpfe, die den Drang haben, Menschenblut zu trinken. Haben sie es nicht vorrätig, müssen sie es mit roher Schweineleber versuchen. Unser Vampirmensch hat damit ein Problem, er bekommt diese Innerei nicht hinunter, würgt und zweifelt an seiner Bestimmung. Oder muss „logischerweise“ den nächsten Bluttopf füllen.
Warum ein Mensch ein Vampir sein will, ist mir unerklärlich geblieben. Einige Zeit habe ich ernsthaft überlegt, ob es möglich ist, eine Einbildung zu haben und daraus ein physisches Verlangen zu entwickeln, das für einen normalen Menschen eine ekelerregende Aktion darstellt. Ich denke, ich kann fliegen und ich fliege. Ich denke, ich bin lesbisch und ich bin es. Dann habe ich mir gesagt, das liegt im Bereich der Fiktion, da muss man nicht darüber nachdenken und dann habe ich es sein gelassen.
Nun, unser Mann hat auch einen Namen, Heck, schöner Name, Vater und Mutter hat er auch, das heißt, hatte er, denn er hat sie um die Ecke gebracht.
Beim gewalttätigen Vater, der die Treppe hinunter fiel, half er als zehnjähriges Kind nach, und die Mutter knüpfte er eigenhändig auf. Die böse Frau hatte in einfach nach dem Tod des Vaters zu sehr gegängelt. Als dann im vorangeschrittenen Alter seine Liebe von einem jungen Mädchen nicht erwidert wurde, fiel ihm nichts Besseres ein, als sie mit dem Tode zu bestrafen. Nein, verhaltensauffällig ist unser Mann nicht gewesen, er lebt und arbeitet als ganz normaler Bürger von nebenan in einem Beruf, von dem manche normal Sterbliche nur träumen. Ein farbloser Mitarbeiter, angestellt in einem Steuerbüro, unauffällig, nur wenn sie in seine stechenden blauen Augen blickten, fühlten sich manche in seinem Umfeld irritiert.
Ein alleinlebender und beziehungsloser Serienmörder, der Frauen, warum Frauen?, wahllos auswählt, um sie zu töten, ist für die Karlsruher Sonderkommission mit Charlotte Krüger und Tom Berger an der Spitze, keine leichte Nuss. Und wie soll es anders sein, -Spannungsaufbau durch Tempo-, es sitzt ihnen die Staatsanwältin im Nacken, die einen Erfolg für ihre Beförderung braucht.
Trotzdem wird nichts unversucht gelassen, das Leben der Ermittler auch von seiner beschaulichen Seite zu schildern, schließlich muss dem ganzen Schauder auch was Schönes entgegengesetzt werden. Ich kann mir nicht helfen, das erinnerte mich sehr an diese Heftchenromane, in denen sich Adlige, Ärzte und andere Leute von Stand nach Liebe verzehren und die Angebetete ewig mit sich ringt, ob sie dem Drängen nachgeben soll. Ausführlich kann sich hier der Leser dem Liebesleben der Kommissarin hingeben. Praktischerweise handelt es sich bei dem Angebeteten um einen Pathologen aus der Rechtsmedizin, so oft sich beide bei der Arbeit über den Weg laufen, so oft können wir an ihrer jeweiligen Gemütsverfassung teilhaben. Und die wechselt oft, einmal gibt sich Charlotte zu verschämt, dann wieder zu burschikos, das Missverstehen gehört zur Tagesordnung und alles spielt sich wie in den romantischen Tagträumen bei Jungmädchen ab.
Krimis sind keine Kitschpostille!
Aber nähern wir uns den Aufgaben, zu denen Kommissare in Kriminalromanen nun mal geschaffen wurden, den Täter zu finden, damit wir von dem unheimlichen Grauen erlöst werden und die heile Welt wiederhergestellt ist. Wir wissen ja schon, dass unser Vampir ein Mensch ist, der schon immer, man denke an die Eltern, leicht erregbar ist und sich leicht reizen lässt. Zusammen mit seinen Allmachtsphantasien, die ihn veranlassen seine Taten hinauszuposaunen, werden ihn diese menschlichen Unzulänglichkeiten den Kopf kosten, und wir sind glücklich, wenn wir von dem Spuk erlöst sind.
Ja, die menschlichen Schwächen machen auch vor Vampiren nicht halt.
Ich könnte jetzt noch einige Tiraden ablassen, lamentieren, höhnen oder bekümmert stammeln, ich lasse es dabei, und entziehe mich allem, indem ich behaupte, nicht zur Zielgruppe zu gehören. Dass diese immer größer wird, habe ich gerade mit Erstaunen in der Federwelt (Martina Campbell vom Sieben Verlag) gelesen, und so glaube ich, dass die Autorin ihre Leser finden wird.
Und auf mich warten bald die nächsten Blutsauger, in Fred Vargas Krimi „Der verbotene Ort“. Schon mal das Kreuz bereithalten.
Henny Hidden