"Eine böse Tat, aber noch kein böser Mensch."
      Dr. Michael Stone
      Professor der Psychiatrie, Columbia Universität


      "In jedem von uns steckt ein Teufel."
      Philip G. Zimbardo
      emer. Professor der Psychologie, Stanford Universität


Sonntag, 16. September 2007

Rezension: Stieg Larsson – „Verblendung“

ISBN: 3453432452
Herausgegeben von Knut Krüger Übersetzt von Wibke Kuhn
Heyne Verlag
Juni 2007-688 Seiten

Der Ausgangspunkt wurde genial konstruiert. Ein Journalist, der gerade einen Prozess verloren hat, soll einen vierzig Jahre alten Vermisstenfall aufdecken.
- Die Suche nach dem vermissten Mädchen kommt geografisch einem „geschlossenen Raum“( John Dickson Carr) nahe, im Buch eine Halbinsel, von der sich zum Zeitpunkt des Vorfalls niemand entfernen konnte, weil es einen Unfall an der Zufahrtsbrücke gab.
- Das Motiv, die Suche nach der langen Zeit noch einmal aufzunehmen, liegt in dem Alter des Auftraggebers begründet, der am Ende seines Lebens endlich Gewissheit haben möchte, was mit seiner Nichte geschehen ist.
- Dass der Fall nicht abgeschlossen ist, liegt an dem jährlichen Blumengruß, den der Auftraggeber erhält und der die Erinnerung an das vermisste Mädchen wach hält.
- Letztendlich wurde dem Journalisten als Lohn neben einem beträchtlichen Geldbetrag Material versprochen, um seinen Prozessgegner zur Strecke bringen zu können.
Mit diesen Koordinaten ausgestattet freut sich der Leser, dass vom Autor ein scheinbar unlösbarer Fall erdacht wurde, der bei seiner Enträtselung mit einigen Überraschungen aufwarten muss.
Um die Einfühlung zu steigern, wird dem Journalisten Mikael Blomkvist das Mädchen Lisbeth Salander zur Seite gestellt. Die Beziehung entwickelt sich neben dem Fall zu einer eigenen Geschichte. Beide Personen stecken in sozialen Beziehungen, die problematischer nicht sein können. In ihrer Natur so gegensätzlich,dass jedes Zusammentreffen neugierig macht. Keine Figur wird abgewertet, im Gegenteil, eine jede erheischt Respekt durch ihre ungewöhnlichen Begabungen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Ermittlerpaar gestaltet sich unbestreitbar effektiv, in schönen Momenten ist zu sehen, wie sie sich auch privat annähern. Selbst wenn die Partnerin des Journalisten als ein junges Mädchen mit phänomenalen Fähigkeiten skizziert wird, stößt man sich nicht dran, weil man ahnt, dass von ihrer Seite ungewöhnliche Methoden ins Spiel kommen werden.
Das schätze ich an Stieg Larsson, dass er keine überflüssigen Nebenstränge aufbaut, um die Handlung „aufzuhübschen“. Man hat so das Gefühl, nicht mit unnötigen, sondern wichtigen Details versorgt zu werden, um die Suche mitverfolgen zu können. Das erzeugt einen Sog, bei der der Leser stets seine eigenen Überlegungen mit den Fortschritten in der Handlung abgleichen kann. Deshalb war ich leicht enttäuscht, als der Täter entlarvt wurde und das Buch immer noch über 200 Seiten aufwies. Natürlich folgte eine spannende Auflösung der gesamten Geschichte, bei der es dann irgendwann genug war und die Lobhudelei über die Fähigkeiten des Journalisten und seiner Partnerin etwas gemäßigter hätten ausfallen können. Positiv gesehen hat das Ermittlerpaar im letzten Abschnitt weiter an Profil gewonnen. Da kann man sich nur auf den zweiten Band freuen.

meint eure Henny Hidden

Andere Rezensionen:
www.buchwurm.info
www.hinternet.de

1 Kommentare:

dolcevita hat gesagt…

Endlich! habe ich es geschafft diesen ach so hoch gelobten Krimi zu lesen. Deine Lobhudelei hielt sich in Grenzen, liebe Henny, und darüber bin ich sehr froh, denn mir ist dieser "Super-Journalist" Blomquist ehrlich gesagt zum Schluss auch ziemlich auf die Nerven gefallen. Auch Salanders Abstecher in die Schweiz war zwar nötig,ihre Aktionen dort aber doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Vielleicht war meine Erwartungshaltung zu groß, verspüre auf jeden Fall im Moment kein großes Verlangen nach der "Verdammnis".
Schönen Tag und ganz herzliche Grüße!